Alterchen mit ordentlich Power

Bereits Mitte der 30er Jahre schlug die Firma Boeing dem USAAC einen großen Bomber vor. Als bestes Flugzeug für diesen Zweck stand den Amerikanern damals nur eine Abwandlung der Verkehrsmaschine Douglas DC-3 zur Verfügung. Die Entscheidung, die Entwicklung der B-17 Flying Fortress fortzuführen, erwies sich als ein mutiger Sprung nach vorne. Denn mit den B-17 verfügten die USA zur Zeit des Überfalls auf Pearl Harbour über eine ausbaufähige Bomberflotte.

Nach ihrem Erstflug am 28. Juli 1935 waren die ersten Maschinen zwar schwach bewaffnet und standen überdies nicht in ausreichender Zahl bereit, aber im weiteren Verlauf des Krieges übernahm die Flying Fortress die Vorherrschaft am Himmel. Sie war all ihren Gegnern überlegen, zum Beispiel der Wellington und der Heinkel He 11. Im Gegensatz zu diesen zwei Bombern hatte sie eine weitaus größere Reichweite und konnte viel mehr Fracht und Bomben tragen. Die B-17 war sehr berühmt unter dem einfachen Volk. Selbst wenn sie die wichtigste Verkleidung verloren hatte, blieb sie noch bis zur nächsten Basis in der Luft.

Der amerikanische Add-on-Hersteller A2A ist berühmt für seine Flugzeuge, welche entweder aus einem der Weltkriege oder einfach nur aus älterer Zeit stammen. Oft erstellt er ein Basisprodukt, bei dem sich das Flugzeug noch nicht in vollem Glanz zeigt. Um das Flugzeug in vollem Glanz zu sehen und zu erfahren, was es wirklich kann, muss man bestimmt Accu-Sim-Packs kaufen. Jedes Pack verleiht den Add-ons „Leben“. Sie erhalten viel mehr Power und es ist einfach realistischer geworden. Ich werde hier nun die B-17 etwas näher erläutern und ein Fazit ziehen, ob sich der Gesamtpreis mit Accu-Sim-Pack lohnt.

Die Boeing B-17 ist ein erstaunliches Flugzeug und wir sollten dankbar sein, dass es eine Umsetzung von ihr gibt. Um genau zu wissen, wie viel das Accu-Sim-Pack ausmacht, habe ich in den ersten Tagen das Add-on ohne Accu-Sim-Pack getestet, später mit. Und ich kann schon im Vorhinein sagen: Es macht eine gewaltigen Unterschied! Mitgeliefert werden ein wunderbares und sehr hilfreiches Handbuch sowie vier verschiedene Lackierungen.

Innen- & Außenmodell

Der Aufbau vom Außenmodell hat sich mit und ohne Pack nicht stark verändert. Aber trotzdem, ich habe noch nie solch eine detailgetreue Außenhaut bei einem Flugzeug gesehen. Nach all den Artikeln, die ich bis jetzt geschrieben habe und in denen ich über die Außenansicht geschwärmt hatte, ist dies nun wahrlich die Krönung. Die detaillierten Bolzen, Schlitze, Nieten, Löcher, Rillen und Antenne kommen einem realen Bild sehr nahe. Genauso wie die Propeller und das Fahrwerk. Es wurden exzellente Animierungen und Texturen angebracht. Teilweise sieht man wunderbare Abnutzungen der Propeller oder rostiges Metall am Fahrwerk. Auch perfekt animiert sind die Zylinder wie das ganze Innenleben der Motoren, die schön von der Frontansicht zu betrachten sind.

Beim Innenmodell gibt es ohne Pack weniger zu betrachten. Hier und da fehlen einige Schalter. Natürlich sind alle Schalter vorhanden, die man zu einem erfolgreichen Flug braucht. Es fehlen aber diese kleinen Extras, welche die B-17 mit Accu-Sim zu einem Glanzstück macht. Ein Beispiel sind die Funkeinrichtungen und der Autopilot. Die Funkeinrichtungen sind in einer Art vorhanden, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Sollte sich der Funker unerwartet im Flug mit „Captain, I got something on the radio for you“ melden, muss man nur einen Schalter umlegen, um etwas Unerwartetes zu hören. Entweder man hört die klassische 30er- bis 40er-Jahre-Musik oder eine Rede eines amerikanischen Staatsoberhauptes über die Lage des Krieges. Beides ist ein wahres Phänomen. Auf einem Flug in Reiseflughöhe ist dies Unterhaltung pur. Weiters lassen sich bei diesem Luftfahrzeug viele kleine Einzelheiten betätigen. Beispielsweise lassen sich die Fenster aufschieben, was hilfreich ist, wenn die Scheiben angelaufen sind. Aber auch je nachdem, wie weit das Fenster offen ist, hört man die Motoren demnach lauter oder leiser. Im Cockpit sieht es auch fantastisch aus. Die Systeme sehen real der Zeit entsprechend aus und haben auch eine glaubwürdige Platzierung. Farben wurden sehr sorgfältig gewählt , Militärgrün, aber teils auch viel Rot und Gelb. Wenn man bedenkt, wie alt dieses Flugzeug ist, stellt man sich eigentlich vor, dass viele Schalter vorhanden sein müssten. Aber bei der B-17 ist das anders. Es sind wirklich nur die nötigsten Schalter vorhanden und man braucht eigentlich jeden davon, um einen Flug durchzuführen, der real gestaltet werden soll.

Ich kann bei einem nächsten Punkt schwärmen. Und zwar beim Sound. Das Soundpaket ist einmalig. Es passt exzellent zum Flugzeugtyp und würde ich mir blind die Sounds anhören, würde ich es diesem Flugzeug zuordnen. Anfangs, beim Starten der Motoren, hört man langsam das Hochfahren und später kommt der laute Einsatz, das Zünden der Zündkerze und dann das Aufbrummen der schnell rotierenden Propeller. Auch die einzelnen Töne wie das Klicken der Schalter oder das Aufschieben der Fenster kommen einem wie im echten Flugzeug vor. Auch die Nachttexturen enttäuschen nicht. Die Schubhebel spiegeln sich in dem Glas der Instrumente, dies beeindruckte mich sehr. Genauso wie die 3D-Lichter und die düstere Beleuchtung des Cockpits.

Gesamtumsetzung

Umgesetzt wurde die Systemtiefe besser, als ich mir dachte. A2A fügte sehr hilfreiche Panels ein, um sich mit dem Flugzeug vertrauter zu machen. Mit der „Shift+2-9“-Kombination öffnen sich gemischte Panels. Als Erstes gibt es ein Crew’s Report Sheet. Dies sorgt dafür, die Temperaturen der Triebwerke auf einen Blick im Auge zu behalten. Es gibt darauf auch hilfreiche Notizen, zum Beispiel dass man eine gewisse Temperatur in diesem und jenem Bereich nicht überschreiten darf. Außerdem sind kleine Checklists vorhanden. Dann gibt es ein Controls Panel. Hier kann man direkt Schalter betätigen, ohne sie mühselig zu suchen. Außerdem kann man einstellen, ob sich das Flugzeug im Cold-and-Dark-Modus befinden soll oder bereit für den Start. Als Nächstes gibt es das Panel, um das Flugzeug zu beladen. Hier kann man viele verschiedene Flüssigkeiten auftanken – Treibstoff, Hydraulikflüssigkeit und Öl. Außerdem kann man Bomben oder zusätzliche Treibstofftanks aufnehmen, die sich später auch abwerfen lassen. Eines der interessantesten Panels ist der virtuelle Hangar. Hier kann man je nachdem, wie lange man geflogen ist, sein Flugzeug begutachten und gegebenenfalls etwas reparieren. Ja, man muss sogar die Zylinder oder Kolben austauschen, denn diese können immer ausfallen. Es wird auch die Zeit zusammengerechnet, die man mit der B-17 geflogen ist.

A2A überlässt es dem Kunden, ob man mit einem originalen Autopiloten fliegen möchte oder mit dem vom FSX. Das vom FSX entspricht der Maschine von der Standard-Cessna. Der originale Autopilot ist wesentlich komplexer und verlangt viel Mühe und Zeit, damit man sich damit auskennt. Trotzdem ist dies eine hervorragende Umsetzung des damaligen Gerätes.

Eine gewisse Systemtiefe wurde übernommen. Man muss Schritt für Schritt die Schalter setzen, womit die Triebwerke starten. Mit „STRG + E“ kommt man hier nicht voran. Doch die hilfreichen Handbücher helfen selbst jedem Rookie. Die Crew greift regelmäßig unterstützend ein. Sollte etwas schieflaufen, meldet sich sofort der Kopilot. Er sagt auch an, ob das Triebwerk richtig startet. Aber generell ist immer gute Laune an Deck, dies merkt man, wenn sich plötzlich eines der Crewmitglieder meldet und spontan sagt: „I met a little girl at the bar last night … her name was Sandy.“ Solche Kommentare und viele weitere erwarten den B52 Piloten.

Fazit

Ich konnte einfach keinen negativen Punkt finden. Um etwas Negatives auszudrücken, müsste ich hier schon lügen. Die Boeing B-17 Flying Fortress ist ein wahres Meisterwerk aus dem Hause A2A. Selten gibt es solch eine Liebe zum Detail und so eine überraschend einfache, aber doch interessante Systemtiefe. Der Preis steigt mit Accu-Sim-Pack zwar in die Höhe, aber ohne ist das Flugzeug kaum etwas wert. Das Pack setzt neue Maßstäbe in der Flugsimulation. Ich möchte jedem Flusier, der ein bisschen Interesse an älteren Maschinen hat, die B-17 zu Herzen legen. Man kann bei dem Einkauf nichts falsch machen oder bereuen, selbst wenn man einmal tiefer in die Tasche greifen muss.

Beziehbar ist dieses alt-ehrwürdige Fluggerät direkt bei A2A-Simulations zum Preis von 32,99 Dollar.

Dieser Artikel erschien in der Flight!-Ausgabe August 2011.

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